Sächsischer Förderpreis für Demokratie 2012 in Dresden verliehen
Die Verleihung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie fand am Freitag, den 9. November 2012 im Festsaal des Kurländer Palais in Dresden statt.
Nach der Selbstenttarnung dreier Neonazis, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, bezeichneten, rückte der Freistaat Sachsen in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Schnell bestimmte die „Zwickauer Zelle“ die Berichterstattung. Wie war es möglich, dass Zschäpe, Mundlos und Böhnhard jahrelang in der Kleinstadt im Südwesten Sachsens leben konnten, ohne dass irgendjemand etwas bemerkte? In manchen Regionen Sachsens konnte sich über Jahre hinweg eine rechtsextreme Alltagskultur etablieren – vollkommen unabhängig vom Terror des selbsternannten NSU. Seit 2004 ist die NPD im Landtag vertreten, die Neonazis zogen damals mit einem Rekordergebnis von 9,2% in das Landesparlament in Dresden ein. In einigen Gemeinden machten mehr als 20% ihr Kreuzchen bei den Rechten. Bei den Wahlen 2009 wurden deutlich weniger Wählerstimmen erreicht, dennoch ist die NPD weiterhin mit acht Sitzen im Parlament vertreten. Die NPD ist jedoch nicht die einzige Gefahr von rechts. Freie Kameradschaften, „Autonome Nationalisten“ und lose organisierte Jugend-Gangs verbreiten rechtsextreme Hetze auch ohne Parteibuch. Die Neonazis schüchtern Andersdenkende ein, bedrohen Migrantinnen und Migranten oder grölen ihre Parolen auf Volksfesten. Und sie schlagen zu – immer wieder. Sie prügeln, schmeißen Steine und Flaschen, zerstören Schaufenster von Wahlkreisbüros demokratischer Parteien oder die Autos ihrer „politischen Feinde“. Sie arbeiten daran, ein Klima der Angst zu schaffen, für alle, die nicht in ihr menschenverachtendes Weltbild passen.
Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die den Neonazis nicht das Feld überlassen. Die hinsehen, aufstehen und einschreiten. Menschen, die sich für die Stärkung der Demokratie einsetzen und vor Ort gegen Rassismus und Antisemitismus engagieren. Die sich nicht einschüchtern lassen und für ein gewaltfreies, weltoffenes Miteinander eintreten. Diese Menschen verdienen höchsten Respekt.
Mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie soll diese Anerkennung erwiesen werden. Der Preis soll diejenigen auszeichnen, die mit gutem Beispiel vorangehen und alle ermutigen, eine gewaltfreie und demokratische Zukunft mitzugestalten.
Die Hauptpreisträger*innen:
Das Bündnis „Nazifrei! Dresden stellt sich quer“, das jedes Jahr im Februar gegen den Aufmarsch von Neonazis in Dresden vielfältige Gegenproteste organisiert.
Der Initiativkreis „Menschen.Würdig“, der sich für die menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen in Leipzig einsetzt und gegen den alltäglichen Rassismus kämpft.
Die Anerkennungspreise in Höhe von je 1.000 Euro gingen an:
• Initiative „Bunter Schall als Widerhall“ aus Vierkirchen
• Bürgerbündnis „Bunter Brühl“ aus Chemnitz
• „ColoRadio“, das Freie Radio in Sachsen
• Fan-Projekt Dresden• Kulturfabrik Hoyerswerda und die RAA Ostsachsen / Hoyerswerda e.V. mit dem Projekt „Mitwisser gesucht!“
• Netzwerk für Demokratische Kultur Wurzen mit dem Projekt „Jugend wird aktiv“
• Soziale und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna• WIR – Gemeinsam in Zwickau, eine Migrantenselbstorganisation
Sie stehen stellvertretend für 56 Initiativen, die sich mit ihrem Engagement um den Preis beworben hatten.
Bundestagsvizepräsident Dr. h.c. Wolfgang Thierse würdigte in seiner Laudatio alle nominierten Initiativen für ihr mutiges Engagement in Regionen, in denen rechtsextreme Bedrohungen und Einschüchterungen leider keine Seltenheit sind.
Die Jury: Dr. Dorothee Freudenberg, Anetta Kahane, Arno Köster, Sebastian Krumbiegel, Rupert von Plottnitz, Anna-Laura Seidel, Carsten Thurau, Wolfgang Tiefensee, Prof. Dr. Andreas Zick.
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